Das Impostor-Syndrom bei Auswanderern: „Bin ich hier wirklich am richtigen Platz?“

Tagebuch – EMDR-PEPS-Praxis​​​​​​

Wenn äußere Orientierungspunkte verschwinden und die Identität ins Wanken gerät

afroamerikanischer Mann mit Brille, hellblaues Sofa, Büro, Briefbeschwerer, Dokumente, grüne Wand

Wenn ich an das Impostor-Syndrom bei Expatriates denke, habe ich oft das Bild eines Fachmanns vor Augen, der sein Umfeld wechselt … mit denselben Kompetenzen, aber ohne die Bezugspunkte, die bisher seinen Platz bestätigt haben.

Der Werdegang ist da. Die Kompetenzen ebenfalls. Doch das Gefühl der Legitimität gerät ins Wanken.

Per EMDR-Telekonsultationsprechen die Patienten nicht direkt von einem „Hochstapler-Syndrom“. Sie beschreiben vielmehr einen diffusen Zweifel, eine Schwierigkeit, sich zu verorten, das Gefühl, nicht mehr ganz am richtigen Platz zu sein.

Als wären die äußeren Faktoren, die ihre Identität bestätigten, verschwunden und hätten das System ohne Halt zurückgelassen.

In meiner EMDR-PEPS-Praxis wird diese Art von Erfahrung nicht als Mangel an Selbstvertrauen betrachtet. Sie wird vielmehr als eine Desorganisation der inneren Orientierungspunkte interpretiert, die oft mit dem Verlust der gewohnten äußeren Bestätigungen zusammenhängt.

Gerade diese Herangehensweise ermöglicht eine gründliche Arbeit, auch im Rahmen einer internationalen Video-Betreuung.

Das Hochstapler-Syndrom im Ausland

Wenn sich die Maßstäbe für Legitimität verschieben

Der Umzug in ein neues Land bringt oft eine Veränderung des Status mit sich. Ein neues berufliches Umfeld. Neue Verhaltensregeln. Neue Bezugspunkte.

Was einst selbstverständlich war, wird nun ungewiss.

In der Praxis lässt sich immer wieder derselbe Mechanismus beobachten: Nicht die Kompetenz verschwindet, sondern die Signale, anhand derer man sie bestätigen konnte. Die Äußerungen werden dann zu Indikatoren:

  • Zweifel an seiner Legitimität
  • Das Bedürfnis, sich übermäßig zu beweisen
  • Angst, „entlarvt“ zu werden
  • Ständiger Vergleich

Die klinische Erfahrung zeigt, dass das System, wenn externe Orientierungspunkte wegfallen, versucht, dies intern auszugleichen, oft in übertriebener Weise.

Lassen Sie uns zunächst gemeinsam darüber sprechen.

Veränderung des Status und Identitätsverlust

Eine Funktion, die nicht mehr ausreicht, um zu definieren

Im Herkunftsland wird die Identität durch eine Reihe von Bezugspunkten gestützt:

  • soziale Anerkennung
  • Beherrschung der Codes
  • bekannter beruflicher Werdegang
  • Beziehungsnetzwerk

Im Ausland fehlen diese Elemente teilweise oder gänzlich. Das System befindet sich in einer besonderen Situation: Es muss ohne die üblichen Validierungen funktionieren.

In der Praxis äußert sich dies in einem Gefühl der Orientierungslosigkeit: „Ich weiß, was ich tue … aber ich weiß nicht mehr, wo ich mich einordnen soll.“

Diese Diskrepanz bedeutet keinen tatsächlichen Kompetenzverlust. Sie ist vielmehr auf einen Verlust der Struktur rund um diese Kompetenz zurückzuführen.

Was unter der Haube passiert

Ein System, das nach Bestätigung sucht

Wenn die äußeren Anhaltspunkte nachlassen, verstärkt das Nervensystem sein Streben nach Bestätigung. Fehlt jedoch ein eindeutiges Feedback, entwickelt es eigene Hypothesen:

  • „Ich bin der Aufgabe nicht gewachsen“
  • „Ich habe hier nichts zu suchen“
  • „Das werden wir schon noch merken“

In der Praxis lässt sich immer wieder dieselbe Tendenz beobachten: Das Gehirn gleicht Unsicherheit durch eine negative Interpretation aus.

Die Symptome werden dann zu Warnsignalen:

  • Übermäßiges berufliches Engagement
  • Schwierigkeiten, sich zu positionieren
  • Ständige Selbstüberwachung
  • Geistige Erschöpfung

Wenn man diese Punkte nicht als Reaktion des Systems versteht, können sie als Vertrauensmangel ausgelegt werden.

Die Rolle von EMDR bei dieser Art von Problemen

Wiederherstellung einer stabilen inneren Verankerung

EMDR zielt nicht darauf ab, „das Selbstvertrauen zu stärken“. Es befasst sich vielmehr mit den Faktoren, die das System daran hindern, seine eigene Legitimität anzuerkennen. In solchen Situationen besteht die Arbeit darin:

  • Erkennen, wann Zweifel aufkommen
  • Situationen erkennen, die zu Orientierungslosigkeit führen
  • Zu den Erinnerungen gelangen, die mit dieser Unsicherheit verbunden sind
  • Systemaktualisierung zulassen

Diese Arbeit zielt nicht darauf ab, zu überzeugen. Sie ermöglicht es dem System, nicht mehr zweifeln zu müssen.

EMDR per Videokonferenz: Arbeit im realen Kontext

Den Platz so betrachten, wie er erlebt wird

Im Rahmen eines Auslandsaufenthalts ermöglicht die Videokonferenz einen direkten Einblick in den Alltag vor Ort.

Die Arbeit findet statt in:

  • das reale berufliche Umfeld
  • der Lebensraum
  • konkrete Situationen

In solchen Situationen kommen Zweifel auf. Dieser Rahmen ermöglicht es:

  • eine genaue Beobachtung der Aktivierungsmomente
  • eine realitätsnahe Arbeit
  • eine direktere Integration

Im Rahmen einer internationalen Begleitung trägt diese Nähe dazu bei, die Wirksamkeit der therapeutischen Arbeit zu steigern.

Möchten Sie herausfinden, ob EMDR per Videokonferenz für Sie geeignet ist? Lassen Sie uns gemeinsam eine erste Zeit des Austauschs nehmen.

Beispiel für internationale Begleitung

Wenn Kompetenz allein nicht mehr ausreicht, um Vertrauen zu schaffen

Ich betreue zum Beispiel einen Patienten, der in Nordamerika lebt und über fundierte Erfahrung in seinem Fachgebiet verfügt. Objektiv betrachtet beherrscht er seine Arbeit.

Und doch gibt es eine anhaltende Schwierigkeit:

  • ein Moment des Zweifels vor jedem Wort
  • das Gefühl, nicht legitim zu sein
  • eine Fehlerprognose

In der Sitzung ging es nicht um seine Kompetenzen. Es ging um ganz bestimmte Momente:

  • eine professionelle Zusammenarbeit
  • eine Stellungnahme
  • ein Blick, der als wertend empfunden wird

Anhand dieser Situationen konnte eine frühere Aktivierung festgestellt werden, die bereits in anderen Zusammenhängen zu beobachten war.

Die Arbeit bestand darin, diese Aktivierungspunkte zu bearbeiten, sodass das System nicht mehr so reagierte, als müsse es ständig seinen Platz beweisen.

Die Arbeitslogik

Das Innere stabilisieren, wenn sich das Äußere verändert

Angesichts solcher Erfahrungen reicht es oft nicht aus, sich durch äußere Beweise zu beruhigen. Dem System mangelt es nicht an Argumenten. Es mangelt ihm an innerer Stabilität.

Die EMDR-Therapie umfasst:

  • Die Zweifel ausschalten
  • Eine angemessene Wahrnehmung wiederherstellen
  • Für eine stabilere Positionierung sorgen
  • Legitimität lässt sich nicht erzwingen.

Man entfernt das, was sie schwächt.

Die erste Sitzung vorbereiten

Zurück zu den Stützpunkten

In solchen Situationen bietet die erste Sitzung folgende Möglichkeiten:

  • Momente des Zweifels erkennen
  • Auslösende Situationen erkennen
  • die Funktionsweise des Systems verstehen

Bei der Arbeit geht es nicht darum, schnell Korrekturen vorzunehmen. Es geht darum, ein solides Fundament zu schaffen.

Schlussfolgerung

Wenn der Ort nicht mehr vom Kontext abhängt

Das Hochstapler-Syndrom bei Expatriates ist kein Zeichen für mangelnde Kompetenz. Es spiegelt vielmehr einen Verlust externer Orientierungspunkte wider, der die innere Verankerung vorübergehend schwächt.

EMDR per Videokonferenz ermöglicht es, direkt an den Auslösepunkten zu arbeiten und dabei den tatsächlichen Kontext zu berücksichtigen. Wenn das System wieder zu innerer Stabilität findet, stellt sich die Frage nach dem Platz auf eine andere Weise.

Sie hängt nicht mehr allein von der Umwelt ab.

Möchten Sie einen Überblick über Ihre Situation im Ausland gewinnen? Bei einem ersten Gespräch können wir gemeinsam herausfinden, ob diese Art der Unterstützung für Sie geeignet ist.


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